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"Wir improvisieren weiter"

Interview: Länder- oder Bundesligaspiele, Konzerte mit Michael Jackson oder Metallica – das Südwest-Stadion hat glorreiche Zeiten erlebt. Doch der Glanz ist verblasst. Ein Vortrag heute Abend beleuchtet die Geschichte des Ovals. Sportdezernent Wolfgang van Vliet (58, SPD) erklärt, warum ein Abriss weiterhin kein Thema ist.

Herr van Vliet, meine schönsten Erlebnisse im Stadion haben mit Fußball und Musik zu tun: Das Spiel Borussia Mönchengladbachs vor 38.000 Zuschauern im April 1984 als Gast des SV Waldhof Mannheim mit dem eingewechselten Doppeltorschützen Lothar Matthäus und ein Metallica-Auftritt im Juni 2004 mit 25.000 Metal-Fans. Und Ihre? Die haben auch mit Musik und Fußball zu tun, aber das ist ewig her. Ich war auf so vielen Konzerten, etwa beim „Boss“ Bruce Springsteen.

Das ist 13 Jahre her. Braucht die Stadt das Stadion heute noch?Ja, auf jeden Fall. Das ist ein funktionelles Leichtathletik-Stadion. Wir haben mit dem ABC Ludwigshafen mindestens einen sehr erfolgreichen Verein, und es gibt zahlreiche andere, die das Stadion als Trainingsort nutzen. Auch die Oberliga-Fußballer des FC Arminia trainieren und spielen teilweise im Stadion, wenn auch bisweilen nur vor 80 Zuschauern.

Eine ziemlich traurige Kulisse. Das stimmt.
Aber ein Abriss ist kein Thema? Absolut nicht.
Warum eigentlich nicht? Das wären doch super Bauplätze, mit denen sich viel Geld verdienen ließe? Daran habe ich meine Zweifel. Das Stadion ist auf Bauschutt errichtet.

Und eine Sanierung wäre zu teuer? Es ist in Ludwigshafen immer wieder überraschend, was man im Boden so alles findet. Eine Entsorgung würde erstens Unmengen von Geld kosten. Zweitens sind wir mit dem Stadion zu nahe am Produktionsbetrieb des Chemieunternehmens Raschig, Stichwort Seveso-Richtlinie. Der Neubau von Wohnungen wäre dort gar nicht möglich. Für die bestehenden Häuser im Umfeld gilt ja ein Bestandsschutz.

Als Standort für ein neues Polizeipräsidium …… käme das Areal aus den gleichen Gründen ebenfalls nicht in Frage.
Und der Bau einer, nennen wir sie mal BASF-Arena ist reine Utopie? Wenn die BASF das will, werden wir sie nicht daran hindern.
Wie würden Sie den aktuellen Zustand des Stadions beschreiben? Mit dem Wort Sanierungsstau, das gilt übrigens für viele Bereiche in der Stadt. Wir halten das Stadion für funktionsfähig. Ich würde mir selbstverständlich wünschen, dass die finanzielle Situation der Stadt mal irgendwann wieder so ist, das Stadion vorzeigbar zu machen.

Wie viel Geld kostet die Stadt der jährliche Unterhalt des Stadions? Das sind 524.000 Euro inklusive Personalkosten und Ausgaben für das Sportparkgelände.

Was muss getan werden, um den völligen Verfall zu vermeiden? Von einem völligen Verfall kann keine Rede sein, davon ist das Stadion weit entfernt. Was wir nicht mehr pflegen, sind die Seitentribünen. Auch die Stehplätze auf der Gegengeraden pflegen wir nicht mehr. Wir kümmern uns um den Rasen, um die Sprunggrube, und wir haben eine funktionierende Hochsprunganlage. Ansonsten wird alles, was notwendig ist, in Schuss gehalten.

Und die Tartanbahn? Die wird demnächst ein Thema sein. Sie ist sanierungsbedürftig. Gleiches gilt für die Katakomben, also die Umkleideräume. Unsere Mitarbeiter vor Ort erneuern immer mal wieder etwas – mit viel Improvisationstalent. Aber dass das Südwest-Stadion schön aussieht, das kann niemand behaupten.

Große Konzerte sind inzwischen auch keine Option mehr, oder? Die wären schon möglich, aber da hat sich der Markt geändert. Musikveranstalter scheuen zunehmend das Open-Air-Risiko und wählen lieber überdachte Großhallen wie die SAP-Arena. Für die kleinen Events ist das Südwest-Stadion zu groß und für die großen zu klein. Mittlere Events gibt es so gut wie nicht mehr. Und wie geht’s jetzt weiter? Wir improvisieren weiter. Das Grundproblem Ludwigshafens ist, dass wir finanziell unzureichend ausgestattet sind. Das ist kein angenehmer Zustand. Spaß geht anders.

Vielleicht lohnt es sich gerade deshalb, den Vortrag anzuhören? Leider habe ich einen anderen Termin. Aber ich kann jedem nur zuraten. Herr Becker vom Stadtarchiv macht das sehr gut. Das ist ein hervorragender Fachmann. Ich kann die Veranstaltung nur empfehlen.Interview: Steffen Gierescher, RHEINPFALZ 09.06.2016

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